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Biografie

Tony Gatlif, dessen eigentlicher Name Boualem Michel Dahmani ist (arabisch: بوعلام دحماني), war ein französischer Filmregisseur, Drehbuchautor, Komponist, Schauspieler und Produzent. Er wurde am 10. September 1948 in Algerien geboren und starb am 2. September 2026 in Arles.

Tony Gatlif wurde in einem Vorort von Algier, damals ein französisches Departement, in eine bescheidene Familie unterschiedlicher Herkunft geboren: Sein Vater war Kabyle, seine Mutter eine Roma andalusischer Herkunft. Seine Kindheit verbrachte er in einem Elendsviertel, zwischen den Straßen und mit gelegentlichem Schulbesuch, wo er durch einen Lehrer, der Filme auf eine gespannte Leinwand projizierte, das Kino für sich entdeckte – eine prägende Erfahrung, die ihn tief beeindruckte und seinen Berufsweg bestimmte. Mit zwölf Jahren verließ er sein Zuhause, ließ sich in Algier nieder und arbeitete als Schuhputzer.

Anfang der 1960er Jahre, mitten im Algerienkrieg und im Unabhängigkeitskampf, zog er nach Frankreich, wo er zunächst in Elendsvierteln landete und später in Erziehungsheimen und Wohnheimen für junge Arbeiter. Seine Jugend war von Straftaten und einem Wanderleben zwischen Marseille und Paris geprägt, bis 1966 eine schicksalhafte Begegnung mit dem Schauspieler Michel Simon ihn dazu bewog, Schauspielkurse zu besuchen und eine Theaterkarriere zu beginnen. In dieser Zeit nahm er bei einer Polizeikontrolle den Namen Tony Gatlif an, den er einem Platz in Algier entlehnte, während er seine wahre Identität – Boualem Michel Dahmani – bewahrte.

Nach der Mitwirkung in mehreren Theaterproduktionen und der Regie von Kurzfilmen ab 1973 debütierte Tony Gatlif 1975 mit dem Spielfilm „La Tête en ruine“ (Der Kopf in Trümmern), dem 1979 „La Terre au ventre“ (Die Erde im Bauch) folgte, der den Algerienkrieg aus der Sicht einer Familie von Pieds-noirs erzählt. In den 1980er und 1990er Jahren festigte sich sein Stil in Filmen wie „Les Princes“ (1983), einem Porträt sesshaft gewordener Roma in den Pariser Vororten, und später „Latcho Drom“ (1993), einer musikalischen und visuellen Odyssee über die Roma-Diaspora in ganz Europa, die ihm internationale Anerkennung einbrachte. Diesen Ansatz bestätigte er in „Le Gone du Chaâba“ (1997), wo er Romain Duris als jungen Pariser besetzte, der in einem Roma-Lager landet, dann in „Vengo“ (2000) und insbesondere in „Exils“ (2004), einem Coming-of-Age-Film, der zwischen Frankreich und Algerien reist und ihn mit seiner Heimat wiedervereint. Im Laufe seiner Karriere komponierte er auch die Musik für seine Filme und schuf Soundtracks, die Roma-, mediterrane und elektronische Motive verbinden, und produzierte mehrere seiner eigenen Werke.

Filmografie

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